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„Es geht um die Zukunft unserer Ernährung!“ Global 2000: 35 Jahre im Öko-Einsatz

Die österreichische Umweltorganisation Global 2000, Mitbegründer der ARGE Gentechnik-frei im Frühjahr 1997, begeht heuer ihr 35-jähriges Jubiläum!

Die Geschichte von Global 2000 ist geprägt von spektakulären Umwelt-Aktionen und -Erfolgen, aber auch von großer Hartnäckigkeit im Kampagneneinsatz.

Ein Blick in die Historie der Öko-Kämpfer zeigt: Die Spanne Kampagnen und Erfolge deckt die wesentlichen Themen der Umweltdebatte in Österreich ab: Schon in der Geburtsstunde der österreichischen Umweltpolitik, der Besetzung der Hainburger Au 1984 standen die Globalis bei den Massenprotesten ganz vorne. Egal ob die Kampagnen die Verarbeitung von Tropenholz, die Nutzung der Atomkraft, Pestizidskandale in der heimischen Landwirtschaft oder gefährliche Chemikalien zum Ziel hatten – Global 2000 zählte und zählt immer zu den Speerspitzen in der Umweltarbeit.

Der Einsatz gegen die Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ist seit eher eines der Kernthemen von Global 2000. Wir haben dazu mit Heidemarie Porstner, Gentechnik-Campaignerin und Landwirtschaftsexpertin bei Global 2000, gesprochen:

Global 2000 hat in vielen Kampagnenbereichen starke Akzente gesetzt - bei der Gentechnik scheint es, dass die Kampagnenarbeit in Österreich besondere Wirkung zeigt - Stichworte: Volksbegehren, Anbauverbot, Gentechnik-freie Produktion. Was macht die Gentechnik-Kampagnenarbeit so erfolgreich?

Durch das Gentechnik-Volksbegehren 1997 wurden viele Menschen für das Thema Gentechnik sensibilisiert, Das “gesunde Misstrauen” von damals hat sich über die vergangenen zwei Jahrzehnte als begründet herausgestellt. Gentechnik ist – entgegen den Versprechen der Gentechnik-Konzerne –  keine Erfolgsstrategie in der Landwirtschaft. Mehr und mehr Pestizide müssen eingesetzt werden, versprochene Erntezuwächse bleiben aus. Die ÖsterreicherInnen haben Recht, wenn sie Gentechnik-freie Lebensmittel fordern. Das hat unsere, aber auch die Arbeit der ARGE Gentechnik-frei so erfolgreich gemacht. Wir können jetzt Gentechnik-freie Milch und Eier und sogar Geflügelfleisch in den heimischen Supermärkten finden. Und der positive Trend geht weiter.

Was macht die Gentechnik-Kampagnenarbeit für Global 2000 besonders wichtig?

1997 konnten wir als Vorreiter des Gentechnik-Volksbegehrens das Vertrauen der Menschen gewinnen. Viele unterstützen uns auch heute noch, weil sie wissen, dass wir uns auf allen Ebenen, in Österreich und in der EU, für Gentechnik-Freiheit einsetzen. Der Kampf gegen Gentechnik ist ja nicht nur einer gegen eine bestimmte Technologie, die für die Herstellung von Saatgut verwendet wird. Damit hängen so viele Themen zusammen, die für GLOBAL 2000 insgesamt sehr wichtig sind: die Förderung einer nachhaltigen, biologischen Landwirtschaft, die ohne Gentechnik auskommt, die Böden schont und die Vielfalt fördert. Die Übermacht der Konzerne, die immer mehr bestimmen wollen, was auf unseren Feldern wächst und was auf unseren Tellern landet. Der hohe Pestizideinsatz etwa von Glyphosat, dessen “Erfolgsgeschichte” eng an die Gentechnik geknüpft ist.

Mit dem Gentechnik-Thema können wir den Menschen zeigen, was in der globalen Landwirtschaft falsch läuft; aber auch, dass es Alternativen gibt und wie wir es gemeinsam besser machen können.

NGO’s müssen ja manchmal Unternehmen & Politik vor sich her treiben; manchmal aber klug kooperieren. Welche Strategie braucht es, um bei einem Gentechnik-freien Österreich / einem Gentechnik-freien Europa erfolgreich zu bleiben?

Es ist wichtig, mit den politischen Akteuren, aber auch den vielen kompetenten Experten national und international in ständigem Austausch zu stehen. Gentechnik wird zwar in erster Linie auf EU-Ebene geregelt, mit Gesetzen und Richtlinien, die für alle gelten. Aber oft gibt es nationale Spielräume, die es etwa Österreich ermöglicht haben, bis heute den Anbau von Gentechnik zu verbieten und das Angebot an Gentechnik-freien Lebensmitteln stetig auszubauen. Dabei müssen aber auch der Handel und die Produzenten mitspielen. Über die ARGE Gentechnik-frei sind wir in einem sehr guten Austausch mit allen relevanten Akteuren in Österreich. Über unser internationales Netzwerk Friends of the Earth Europe bekommen wir die neuesten und wichtigsten Informationen aus Brüssel und erarbeiten gemeinsam Positionen, die wir den Entscheidungsträgern vorlegen, die uns auf einen Weg in ein Gentechnik-freies Europa führen.

In Österreich, aber auch in Deutschland und nach und nach in anderen europäischen Ländern wird die Gentechnik-freie Lebensmittelproduktion zum Erfolgsfaktor; in manchen Bereichen sogar zum Branchenstandard. Reicht das aus, um die Gentechnik-Freiheit tatsächlich gewährleisten zu können?

Dass der Handel immer mehr Lebensmittel in sein Sortiment aufnimmt, die ohne den Einsatz von Gentechnik hergestellt wurden, dass immer mehr Landwirte keine Gentechnik mehr einsetzen wollen, auch nicht als Futtermittel, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass wir weiter Gentechnik-freie Lebensmittel in unseren Läden finden. Dass die Konsumenten sehr bewusste Kaufentscheidungen für solche Lebensmittel treffen, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Aber so lange es kein umfängliches Bekenntnis auf EU-Ebene gibt, keine Gentechnik mehr einzusetzen, so lange werden wir darauf angewiesen sein, dass all diese Akteure ihr Bewusstsein für die Wichtigkeit einer Gentechnik-freien Landwirtschaft aufrecht erhalten. Derzeit scheint ein wirklich Gentechnik-freies Europa ohne Gentechnikimporte noch fern, doch das Ziel rückt näher. Immer mehr Landwirte steigen um auf Gentechnik-freies Soja in der Fütterung, häufig sogar aus Europa.

Doch eine neue Form der Gentechnik steht bereits in den Startlöchern. Wir brauchen also auf EU-Ebene, mit einer guten, nachhaltigen neuen Gemeinsamen Agrarpolitik, aber auch in Österreich das Bekenntnis dazu, dass wir eine andere, wirklich nachhaltige und im besten Falle ökologische Landwirtschaft brauchen. Denn es geht um die Zukunft unserer Ernährung!

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