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Gentechnik-frei Gipfel in Wien: Erstmals systematischer Austausch zwischen den europäischen Gentechnik-frei Labeling-Systemen

Am Montag, den 25. April blickten die Exponenten von Lebensmitteln, die garantiert ohne den Einsatz von gentechnisch veränderten Rohstoffen und Zutaten hergestellt werden, mit großem Interesse nach Wien.

Erstmals trafen hier die Vertreter aller europäischen Kennzeichnungssysteme für Lebensmittel ohne Gentechnik zur „International GMO-free Labeling Conference“ zusammen – für den praxisnahen Erfahrungsaustausch, aber auch um die gegenseitige Anerkennung der nationalen Standards und Kennzeichnungsregelungen sowie die inhaltliche Annäherung und Vergleichbarkeit voranzutreiben (Präsentationen und Hintergrundinformationen: http://www.gentechnikfrei.at/gmo-free-labeling-conference-intro).

Denn: Schon längst ist aus der einstigen Nischenproduktion ein wichtiger und dyna­mischer Faktor auf dem europäischen Markt geworden. So gewinnen in Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Slowenien und Österreich, aber auch in den USA Gentechnik-frei gekennzeich­nete Lebensmittel immer mehr Marktanteile. Weitere Länder wie z.B. Ungarn, Bosnien-Herze­go­wina, Serbien und auch Belgien stehen mitten drin in der Entwicklung entsprechender Systeme.

Ziel: Ausweitung und Vergleichbarkeit für Gentechnik-freie Lebensmittel in Europa

Bei der ersten gemeinsamen Konferenz wollten die Initiatoren den Austausch zwischen den national geregelten Systemen fördern, gegenseitiges Lernen ermöglichen und die Sicherstellung Gentechnik-freier Rohwaren (insb. Soja) verbessern. „Die bestehenden Kennzeichnungssysteme sind historisch gewachsen und weisen daher bei Produktions- und Kontrollstandards teilweise Unter­schiede auf. Herstellung und Handel Gentech­nik-freier Produkte bedienen aber immer stärker den gesamteuropäischen Markt. Die Herausforder­ung für die nächste Zeit ist es daher, einen gemein­samen europäischen Zugang zur Gentechnik-frei Kennzeichnung zu schaffen und die gegenseitige Anerkennung bzw. Vergleichbarkeit der bestehen­den Standards zu verstärken“, erklärte Florian Faber, Geschäftsführer der ARGE Gentechnik-frei und Organisator der Konferenz in Wien.

Dynamische Marktentwicklung und neue Länder, die Kennzeichnungen planen

Unter dem Ehrenschutz von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser und Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter zeigte die Konferenz eindrucksvoll, mit welcher Dynamik der Gentechnik-freie Markt sich aktuell in Europa entwickelt:

  • Den stärksten Schwung legt derzeit wohl Deutschland an den Tag: Mehr als 3.600 Lebensmittel führen bereits das staatliche "Ohne GenTechnik"-Siegel; nahezu alle Eier und Geflügelfleisch, die als Eigenmarke des Lebensmittelhandels verkauft werden, erfüllen die deutschen Kriterien für die "Ohne GenTechnik"-Kennzeichnung. Nachdem einige Markenhersteller im Bereich Milch und Käse bereits seit Jahren auf diese Kennzeichnung setzen, steigt seit diesem Jahr die Nachfrage nach Milchprodukten für Handelsmarken rasant an. Der Lebensmittelhandel – allen voran REWE, Edeka und Lidl – sorgt laufend für weitere Impulse.
  • In Slowenien gibt es seit 2011 ein Kennzeichnungssystem, das eng an das Österreichische System angelegt ist. Die ersten gekennzeichneten Produkte kamen im Februar 2012 auf den Markt; aktuell gibt es 455 Lebensmittel mit dem Prüfzeichen „BREZ GSO“ (Ohne GVO) im Handel. Die wesentlichen Produktbereiche mit Gentechnik-freien Produkten sind die Milchbranche, Frischeier und Teigwaren. Seit 2015 konnte der Import von gentechnisch veränderter Soja aus Lateinamerika um 40% reduziert werden.
  • Auch in Luxemburg, Italien und Frankreich verwenden immer mehr Hersteller die jeweiligen Gentechnik-frei Kennzeichen; speziell für Milch, Eier und Fleisch.
  • In den USA führen bereits rund 40.000 Lebensmittel das Kontrollzeichen des Non-GMO-Projects. Immer mehr Restaurant- und Handelsketten verzichten auf die Verwendung gentechnisch veränderter Rohwaren und Zutaten.
  • Österreich gilt nach wie vor als Vorreiter: Bereits 1997 entstand in enger Zusammenarbeit zwischen Lebensmittelhandel, Herstellern, Bauernverbänden und Umweltorganisa­tio­nen Europas erstes Kennzeichnungssystem – die ARGE Gentechnik-frei. Mittlerweile führen mehr als 2.500 Produkte das grüne Kontrollzeichen „Ohne Gentechnik hergestellt“, das von KonsumentInnen in vielen Umfragen als eines der glaubwürdigsten und bekanntesten Kontrollzeichen bewertet wird. Milch, Eier und Masthühner stammen in Österreich bereits voll­stän­dig aus Gentechnik-freier Produktion. Aktuell laufen Bemühungen, auch Schweine- und Rindermast auf Futter ohne Gentechnik umzustellen.

Aber auch in weiteren Ländern wird der Ruf nach Gentechnik-freien Lebensmittel lauter: Noch in diesem Jahr will Ungarn sein neues, bei der Wiener Konferenz erstmals vorgestelltes System auf den Markt bringen. Bosnien und Herzegowina sowie Serbien wollen den neu entwickelten „OGT Donauraum Regionalstandard“ zur Entwicklung eines Kennzeichnungssystems nützen. Und in Belgien wird mit einer Konferenz Anfang 2017 der Auftakt zur Gentechnik-frei Kennzeichnung gelegt.

Startschuss zur europäischen Zusammenarbeit

So herrschte unter allen Teilnehmern die eindeutige Einsicht: Mehr Zusammenarbeit und die Bemühungen um eine europaweite Annäherung der einzelnen Standards müssen das eindeutige Ziel sein, um die Marktrelevanz weiter zu stärken.

Österreichs Politik signalisiert dazu die volle Unterstützung: „Die Österreicherinnen und Österreicher wollen keine gentechnisch veränderten Produkte. Genau deshalb braucht es einheitliche Kennzeichnungsregelungen, damit unsere Bürgerinnen und Bürger frei entscheiden können, was auf ihren Tellern landet. Ich freue mich, dass mit der heutigen internationalen Konferenz die Diskussion auf eine neue Ebene gehoben und das Fundament für eine europaweite Kennzeichnung Gentechnik-freier Produkte gelegt wird“, erklärte Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser, die ebenso wie Landwirt­schafts­- und Umweltmini­ster Andrä Rupprechter die internationale Konferenz mit Teilnehmern aus mehr als 20 Ländern begrüßte. „Mit der heutigen internationalen Konferenz zur ‚GVO-Frei-Kennzeichnung’ wird der Grund­stein für europaweite Standards gelegt. Alle – von der Landwirtschaft über den Lebensmittelhandel bis hin zur Politik – ziehen zum Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten an einem Strang“, umriss Minister Rupprechter den Stellenwert der Konferenz bzw. der Gentechnik-freien Produktion.

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