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Gentechnik-frei Kontrollen in der Praxis

Gentechnik-frei zertifizierte Produkte – das sind ausschließlich jene, die das grüne Zeichen „Ohne Gentechnik hergestellt“ tragen – unterliegen strengen Kontrollen.

Landwirte und verarbeitende Betriebe werden von externen, autorisierten Zertifizierungsstellen regelmäßig überprüft. Wesentliche Grundlage für die Zertifizierung ist der „Leitfaden zur risikobasierten Kontrolle auf Gentechnikfreiheit“ (kurz: Kontrollleitfaden). Dieser regelt die Abläufe und die Intensität der Kontrolltätigkeit, stellt einheitliche Kontrollabläufe durch die einzelnen Kontroll- bzw. Zertifizierungsstellen sicher und ist Basis für die Akkreditierung der Kontrollstellen.

Nachdem der erste Kontrollleitfaden im Jahr 2008 verabschiedet wurde, war es 2014/15 Zeit für eine neue, überarbeitete Version, da sich sowohl das Marktvolumen als auch die Vielfalt des Gentechnik-freien Angebots seither stark erweitert hat. Anfang März 2015 wurde der neue Kontrollleitfaden von der Akkreditierungsstelle des BMWFW veröffentlicht. Wir haben mit zwei von der ARGE Gentechnik-frei zugelassenen Zertifizierungsstellen – agroVet und SLK – gesprochen und ihre ersten Erfahrungsberichte eingeholt.

Wie laufen die Kontrollen in der Praxis ab?
Landwirte und Verarbeitungsbetriebe werden gemäß Kontrollleitfaden von den Zertifizierungsstellen in Risikoklassen (0-3) eingeteilt. Die Risikostufe bezieht sich hierbei auf die Gefahr einer Vermischung – zwischen Gentechnik-freien und anderen Produkten, oder gegebenenfalls auch zwischen Futtermitteln, die zur Gentechnik-freien bzw. konventionellen Tieraufzucht dienen. Die Risikoklasse bestimmt die Häufigkeit der Kontrollen für den Betrieb.
Das Kontrollsystem wurde in enger Anlehnung an die Bio-Kontrollen entwickelt. Die Unterschiede: Die Gentechnik-frei Kontrollen im konventionellen Bereich sind risikobasiert (wie oben beschrieben) und nicht der einzelne Landwirt (Lieferant) bekommt das Zertifikat, sondern der Verarbeitungsbetrieb erhält eine Freigabe für seinen Lieferanten.
Überprüft werden alle Futter- und Betriebsmittel eines landwirtschaftlichen Betriebs – auch jene, für die keine Gentechnik-frei Zertifizierung beantragt wurde.
Ein Beispiel dazu verdeutlicht die Praxis: Hält ein Milchviehbetrieb, der seine Milch Gentechnik-frei zertifizieren lässt, beispielsweise auch Legehennen für den Eigenbedarf, ist die Risikoklasse dieses Betriebs automatisch höher. Denn: Obwohl der Landwirt seine Milchkühe GVO-frei füttern muss, könnte er seine Hühner mit GVO-Soja füttern. Hier bestünde somit das Risiko einer Vermischung. Folglich muss der Milchviehbetrieb, wenn er sich nicht auf alleinige Milchwirtschaft konzentriert, auch damit rechnen, dass die Kontrollorgane alle Futtermittel überprüfen. Nur so kann 100-prozentige GVO-Freiheit bei der Milch garantiert und zertifiziert werden.
Sämtliche Verarbeitungsbetriebe werden innerhalb eines Jahres überprüft und zertifiziert.

Was hat sich seit 2008 getan und inwiefern hat sich die Arbeit der Zertifizierungsstellen verändert?
Inzwischen sind mehrere österreichische Produktionszweige komplett auf Gentechnik-frei umgestiegen (Milchprodukte, Eier, Masthühner) und die Produkte werden laufend vielfältiger. Die Komplettumstellung der genannten Branchen hat die Arbeit der Kontrollstellen am meisten beeinflusst, da natürlich jede Branche eigene Expertise verlangt und das Kontrollvolumen angestiegen ist.
Die befragten Zertifizierungsstellen sehen außerdem mehr Komplexität bei den Kontrollen: Einerseits erfordern Betriebe, die sowohl Gentechnik-frei als auch herkömmlich konventionell produzieren, unterschiedliche Kontrollen. Andererseits müssen manche Betriebe mehrfach auf Gentechnik-Freiheit kontrolliert werden, da sie nicht nur ein Produkt, sondern mehrere Verschiedene herstellen. Das erfordert sorgfältige Planung und Einteilung. Das große Ziel ist, weitestgehend Kontrollen zu bündeln und zu vereinfachen. Diese Entwicklung wird sich nach Meinung der Kontrollstellen auch fortsetzen.

Was hat sich durch den neuen Kontrollleitfaden geändert?
Der wichtigste Punkt für die Kontrollstellen ist die rechtliche Absicherung ihrer Arbeit – an den tatsächlichen Abläufen und der gelebten Kontrollpraxis hat sich durch den neuen Leitfaden wenig verändert. Mit passenderen Formulierungen und Detailausarbeitungen in speziellen Bereichen ist gesichert, dass die Kontrollen nun unabhängig von der durchführenden Kontrollstelle einheitlich ablaufen. Wichtige Vereinheitlichungen wurden beispielsweise im Bereich der Vorgehensweise bei positiven Probenahmen oder bei der Auslobung von Produkten geschaffen.

Welche Herausforderungen gibt es aktuell bei Gentechnik-frei Kontrollen?
Die größte Herausforderung liegt in der Umsetzung der Synergien, die sich durch Kontrollen im Rahmen verschiedener Qualitätsauszeichnungen (wie z.B. Bio, Gentechnik-frei, AMA; oder auch Qualitätskontrollen seitens des LEH) ergeben, auf dem neuesten Stand der Technik. Zudem spricht eine Zertifizierungsstelle von hohem Erklärungsbedarf was die Gentechnik-frei Kontrollen von verschiedenen Produktionsgebieten betrifft: Nicht immer ist dem Produzenten klar, dass ihn für jede Produktsparte eine eigene Kontrolle erwartet. Das begründet sich durch die im Kontrollleitfaden festgehaltenen Richtlinien, die beispielsweise bei Fleisch grundlegend anders formuliert sind als bei Milchprodukten.

Welche Rückmeldungen geben kontrollierte Betriebe zu den Kontrollen? Wie hoch ist der Informationsbedarf zu Gentechnik-frei Kontrollen?
Obwohl die meisten Landwirte und Verarbeiter laut Rückmeldung der Zertifizierungsstelle mit den Anforderungen für die Zertifizierung gut vertraut sind, ist es nützlich und auch nötig, umfassende und produktionsspezifische Informationsmaterialien parat zu haben. Manche Betriebe werden aufgrund ihrer Risikoeinstufung nicht jedes Jahr geprüft – insbesondere bei diesen müssen die Kontrollorgane auf Fragen und Informationsbedarf gefasst sein.

Welche Prozesse bzw. Elemente sind im Rahmen der Kontrollen noch nicht klar genug geregelt und welche Entwicklungen wären noch wünschenswert?
Die größte Schwierigkeit liegt nach Meinung einer Zertifizierungsstelle darin, dass Landwirte in der Regel nicht direkt ein Gentechnik-frei Zertifikat erhalten, sondern – wie weiter oben beschrieben – nur der jeweilige Verarbeitungsbetrieb. Das bringt mitunter Unklarheiten beim Verkauf eines Nutztiers von Landwirt zu Landwirt oder auch von Landwirt zu Viehhändler mit sich. Nach Meinung der Kontrollstelle wäre es empfehlenswert, wenn auch der Landwirt ein Gentechnik-frei Zertifikat erhält.
Außerdem erscheinen die Bedingungen für die Kontrolle und Auslobung für Importware aus dem EU-Ausland nach Meinung der Zertifizierungsstellen noch nicht ausreichend definiert zu sein. Dafür ist insbesondere eine EU-weite Harmonisierung der Kontrollen zur Gentechnik-Freiheit wünschenswert.


Das informative und offene Feedback der Zertifizierungsstellen schafft mehr Transparenz für Zeichennutzer und Konsumenten. Es dient der ARGE Gentechnik-frei und den involvierten Experten auch als wichtige Grundlage für weitere Verbesserungen. In diesem Sinne bedanken wir uns bei SLK und agroVet für die Mitarbeit.

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