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Grauzone CMS-Technik

Der Verband der Ernährungswissenschafter (VEÖ) ist die offizielle Vertretung der Ernährungswissenschafter in Österreich. Seit kurzem haben sich die ARGE Gentechnik-frei und der VEÖ mit gegenseitigen Mitgliedschaften verbunden.

Ein weiterer Beitrag zum Thema Gentechnik aus der Sicht der Ernährungswissenschaft: Der VEÖ hat bei der Auswahl der AutorInnen unterstützt. Die Autorin des aktuellen Beitrags ist die Ernährungswissenschafterin Julia Geißler-Katzmann.

Um die optischen Ansprüche von VerbraucherInnen zu stillen, soll Gemüse schön gleichmäßig und prall aussehen. Dies erzielt man über den sogenannten Heterosiseffekt, er wird gezielt in der Pflanzenzüchtung angewandt. Dabei werden zwei Inzuchtlinien gekreuzt, die Hybriden hervorbringen, die größer, vitaler oder widerstandsfähiger sind als die Elternlinie. Die Nachkommen dieser Hybriden weisen diese Merkmale nicht mehr auf. Landwirte, welche die Vorteile der Hybridsorten nutzen wollen, müssen das Saatgut jedes Jahr neu kaufen. Dies fördert die Abhängigkeit von großen Saatgutkonzernen.

In der herkömmlichen Hybridzüchtung ist dies ein jahrelanger und oft mühsamer Prozess, so müssen bei Pflanzen, wie z.B. dem Mais, die männlichen Samenstände händisch entfernt werden, damit es zu keiner Selbstbefruchtung kommen kann.

Bei Verwendung der CMS-Technologie (cytoplasmatische männliche Sterilität) wird der Prozess wesentlich einfacher und schneller. Unter Verwendung dieser gentechnischen Methode kann man heute solche sterilen Linien züchten. Damit die Nachkommen dieser Linien wieder fruchtbar sind, schleust man den Kreuzungspartnern der Pflanze ein Gen ein, das die Sterilität wieder aufhebt.

Bio erlaubt CMS-Technik

In der EU-Gentechnikrichtlinie wurde für diese Methode eine Ausnahme geschaffen und auch die EU-Biorichtlinie erlaubt die Verwendung von CMS-Saatgut. Da dieses Saatgut nicht gekennzeichnet werden muss, ist inzwischen völlig unübersichtlich, welches Saatgut mittels CMS-Technik produziert wurde. Vor allem bei Gerste, Roggen, Zuckerrübe, Sonnenblumen und Raps ist das CMS-Verfahren inzwischen der am meisten genutzte Mechanismus.

Als problematisch angesehen wird, dass nahezu für alle CMS-Hybriden dasselbe Zellplasma verwendet wird, dies macht die Pflanze anfälliger für Stressfaktoren und Schädlinge. Außerdem wurden samenfeste Alternativen (Zucht durch Fremdbefruchtung, keine sterile Mutterlinie) in den letzten Jahren vernachlässigt.

Ich stelle mir persönlich die Frage, ob das gut ist? Was bedeutet es für kleinstrukturierte Betriebe, was bedeutet es für die globale Ernährungssouveränität und wie passt sich die Natur schließlich an?

Für mich geht es bei der Nutzung der „grünen Gentechnik“ um die Macht der Agrarkonzerne, es geht um Abhängigkeiten, die produziert werden, vor allem im Bereich der kleinbäuerlichen Strukturen, es geht um einen massiven Rückgang der Biodiversität an Saatgut. In weiterer Folge um intensiven Anbau in Monokulturen und daraus resultierende Bodenerosion. Einige wenige hochgezüchtete Sorten erleichtern vieles in der industrialisierten Landwirtschaftsmaschinerie. Und schließlich geht es nicht zuletzt um eine Verantwortung unserer Umwelt gegenüber. Denn bestäubende Insekten, der Wind oder Vögel kennen keine Grundstücksgrenzen. So ist es möglich, dass genetisch verändertes Material sich ohne unser Zutun ausbreitet. Darf sich das der Mensch anmaßen?

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