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„Oberstes Prinzip ist es, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“

Fixkraft-Geschäftsführer Rupert Bauinger im Gespräch über die Herausforderungen der Futtermittelwirtschaft durch die Corona-Krise. Rupert Bauinger ist seit vielen Jahren Vorstandsmitglied der ARGE Gentechnik-frei, mit großem Engagement zur Sicherstellung und Ausweitung der Gentechnik-freien Produktion

Die Corona-Krise – mit Reisebeschränkungen, Schutzmaßnahmen, Mangel an Erntekräften etc. – stellt die Futter- und Lebensmittelproduktion vor besondere logistische Herausforderungen. Dennoch – nach anfänglichen Schwierigkeiten speziell im LKW-Grenzverkehr scheinen Versorgung und Logistik im Wesentlichen in den Griff gekommen zu sein. Welche Herausforderungen stellt die Corona-Krise speziell an die Futtermittelbranche?

Bauinger: In der ersten Woche nach Inkrafttreten der österreichischen Maßnahmen ist die Absatzmenge sprunghaft um ca. 20 % angestiegen. In den darauffolgenden Wochen pendelte sich das Kaufverhalten wieder auf ein normales Maß ein. Je nach Ausmaß der weiteren Nachfrage nach österreichischen Lebensmitteln, zum Beispiel nach Wiedereröffnung der Gastronomie, wird sich auch der Futtermittelabsatz entwickeln. Futtermittel sind die Vorstufe der Lebensmittel (Milch, Ei, Fleisch) von morgen.

 

Wie sieht es mit der Versorgung mit Rohwaren und Zutaten aus? Gibt es Engpässe? Wie geht die Branche damit um?

Bauinger: Bereits Anfang Februar waren in Österreich die Vorboten der Corona-Epidemie merkbar. Futterzusatzstoffe wie Vitamine wurden Mangelware. Denn diese werden zwar bei europäischen Lieferanten gekauft, ihre Herstellung erfolgt jedoch sehr oft in China. China war zu diesem Zeitpunkt in der Corona-Hochphase und kaum mehr lieferfähig. Die vorhandene Ware konnte nur um gutes Geld erstanden werden.

Bei den Eiweißfuttermitteln ist Österreich importabhängig. Die Ölfrüchte-Lagerbestände bei den Mischfutterwerken werden eher gering gehalten. Das ist der Qualität geschuldet, weil die Haltbarkeit der Ölfrüchte begrenzt ist und die Lagerkapazitäten meist nicht vorhanden sind. Die Just in time-Lieferung ist seit Jahrzenten branchenüblich.

Europäische Ölfrüchte stammen hauptsächlich aus Italien, Ungarn, Tschechien, Deutschland, Polen, Serbien und vereinzelt aus der Ukraine. Der Transport erfolgt hauptsächlich per LKW und in geringem Umfang per Schiff auf der Donau. Behinderung in der Rohstoffbeschaffung gab es insbesondere, weil Frächter wegen Fahrermangel die Transporte nicht durchführen konnten und es an den Grenzen lange Wartezeiten gab. Davon waren in Österreich insbesondere der Süden und Osten betroffen. Viele Kraftfahrer kommen aus Ungarn und hatten Probleme die Grenze zu passieren, um ihren Dienst anzutreten. Vereinzelt wollten Kraftfahrer auch ihr Heimatland nicht verlassen, weil sie befürchteten, dass sie danach nicht mehr nach Hause dürften. Ungarische Kraftfahrer, die in der Zeit davor in Italien waren, mussten in Ungarn in Quarantäne.

Importe aus Übersee werden vielfach über den Rhein-Main-Donaukanal ins Land gebracht. Diese Logistikschiene ist bei Problemen im LKW-Verkehr der Versorgungsgarantieschein für die österreichische Futtermittelproduktion. Mit Sojaschrot aus Übersee konnte während der Einschränkungen im grenzüberschreitenden LKW-Verkehr die Versorgung auch im Süden und Osten von Österreich aufrechterhalten werden.

 

Home Office, Social Distancing und umfassender Gesundheitsschutz – was bedeuten die aktuellen Vorgaben seitens Behörden und Regierung für die Arbeitspraxis im Futtermittelwerk? Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag im Unternehmen in den letzten fünf Wochen verändert?

Bauinger: Fixkraft hat die Schutzmaßnahmen sofort umgesetzt. Die Gesunderhaltung unserer Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner steht an oberster Stelle. Deshalb haben wir umgehend Einzel-Arbeitsplätze im Unternehmen geschaffen und einen Teil der Mitarbeiter mit Home-Office-Arbeitsplätzen ausgestattet. Wir achten darauf, dass es laufend Telefonkontakt zu jedem einzelnen Mitarbeiter gibt, damit niemand den Anschluss an das Team verliert. Nach einem kurzen Krisenmodus sind wir innerhalb weniger Tage, unter geänderten Arbeitsbedingungen, wieder ins Alltagsgeschäft zurückgekehrt. Telefon- und Videokonferenzen sind in der Zwischenzeit Normalität. War am Anfang die Homeoffice-Möglichkeit eine willkommene Abwechslung, so ist jetzt der Wunsch nach persönlichen Kontakten auch im Berufsumfeld verstärkt erkennbar. 

 

Landwirte müssen natürlich auch weiterhin termingerecht mit Futtermittel versorgt werden – waren Veränderungen in der Logistik notwendig, um dies auch in Zeiten von Corona sicher, fristgerecht und soweit wie möglich „kontaktlos“ durchzuführen?

Bauinger: Den Office-Bereich sowie die Produktion hatten wir schnell an die neue Situation angepasst. Unsere Sorge galt unseren Kraftfahrern. Futter wird beinahe ausschließlich mit LKWs zugestellt. Das Szenario, dass eine größere Gruppe von Kraftfahrern erkrankt und/oder in Quarantäne geschickt wird, galt und gilt es zu vermeiden. Die Abschottung der Kraftfahrer untereinander, sowie mit anderen Personen während der Beladung im Werk und der Entladung beim Kunden galt es, „kontaktlos“ zu organisieren. Neben den üblichen Vorkehrungen wurden spezielle Regeln für die Personalräume aufgestellt und das Duschen im Unternehmen untersagt. Lieferpapiere werden per Scan übermittelt und auf Warenempfangsbestätigung beim Kunden wird verzichtet. Das Kraftfahrerpersonal wurde rasch aufgestockt, um mögliche Ausfälle zu kompensieren.

 

„Zusammenhalten“ ist das Gebot der Stunde. Nehmen Sie dies auch in Ihrem Marktsegment, dem Futter- und Lebensmittelsektor wahr? Können Sie uns da ein paar Insights geben?

Bauinger: Wir erfahren viel Lob und Dank für unsere Arbeit, die die Versorgung mit Futtermittel sichert und fristgerecht gewährleistet. Die Corona-Epidemie hat leider auch viele Futterrohstoffe verteuert. Wir haben Mehrkosten erst verzögert weitergegeben. Das gute Wissen unserer Abnehmer über die Situation auf den Agrarmärkten hat beinahe einhellig für Verständnis für Futterpreisanpassungen gesorgt. Die Kette der Lebensmittelproduktion vom Bauern bis zum Verarbeiter ist sicher näher zusammengerückt. Oberstes Prinzip ist es, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Futtermittel sind wichtig, um die Lebensmittel Milch, Ei und Fleisch zu sichern – für heute ebenso wie für morgen.

 

Und wie wirkt sich die Corona Krise mit all ihren Einschränkungen auf Ihren persönlichen Alltag aus?

Bauinger: In der Arbeitswelt habe ich mich unter den neuen Bedingungen gut eingelebt. Homeoffice ist nicht jeden Tag möglich und ich genieße es, ein- bis zweimal wöchentlich im Büro zu arbeiten bzw. im Produktionswerk zu sein. Im Privatbereich sind die Telefonkontakte jetzt natürlich mehr. Anfangs habe ich es genossen, mehr Zeit für mich zu haben. In der Zwischenzeit wird die Freude auf persönliche Kontakte von Tag zu Tag größer.

 

Wir danken für das Gespräch!

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