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Sicherung der Welternährung: Durch bessere Verteilung, nicht durch Gentechnik

DI Iris Strutzmann von der Arbeiterkammer Wien (Abteilung Umwelt und Verkehr) ist Mitglied des Fach-Beirats der ARGE Gentechnik-frei.

Der Beirat berät Vorstand und Geschäftsführung in ihren Entscheidungen und liefert wertvolle Expertise aus den unterschiedlichen, für die Gentechnik-Freiheit wichtigen Fachbereichen. Anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober 2015 haben wir Iris Strutzmann um ein Gespräch gebeten:

ARGE Gentechnik-frei: Am 16. Oktober ist der Welternährungstag. Gibt es Zusammenhänge zwischen der Welternährung und dem Potenzial einer Gentechnik-freien Lebensmittelproduktion?

Iris Strutzmann: Noch wird der Großteil der Ackerflächen weltweit Gentechnik-frei bewirtschaftet. Das sichert eine Gentechnik-freie Lebensmittelproduktion ab. Laut Angaben der Welternährungsorganisation FAO  hungern weltweit immer noch 795 Millionen Menschen. Fast alle, 98 Prozent, leben in den sogenannten „Entwicklungsländern“. Immerhin: Seit 1990 hungern um 216 Millionen Menschen weniger. Die meisten Länder haben dies über stabile politische Verhältnisse und wirtschaftliches Wachstum erreicht. Ich glaube deshalb, dass dies ein Weg ist auch künftig den Hunger in der Welt ohne Gentechnik zu bekämpfen. Aber zugegeben: eine schnelle, einfache Lösung ist es nicht.

ARGE Gentechnik-frei: Können, wie von manchen postuliert wird, gentechnisch veränderte Lebensmittel die Welternährung sicherstellen?

Iris Strutzmann: Ich meine nein: Die Welternährungsorganisation weist immer wieder darauf hin, dass Hungerkrisen vor allem in den Regionen vorkommen, in denen es keine stabilen politischen Verhältnisse gibt.  Außerdem: Die Landwirtschaft produziert weltweit noch zu energieintensiv und umweltbelastend. Wenn wir an diesen Schrauben drehen, könnten wir auch ohne Gentechnik weit kommen. Der Weltagrarbericht, von 400 WissenschaftlerInnen verfasst, sieht das ähnlich: Es braucht Zugang zu Land, eine bessere Verteilung der Nahrungsmittel und die ökologische Bewirtschaftung von Land, um die Menschen vor Ort besser versorgen zu können. Statt Agrotreibstoffe sollten Lebensmittel produziert werden. Der hohe Fleischkonsum benötigt viele Flächen; die Sicherung der Welternährung ist somit vor allem eine Verteilungsfrage.

ARGE Gentechnik-frei: Schauen wir nun nach Österreich: Gentechnik-Freiheit ist hierzulande ein gesetzlich abgesicherter, in breiten Produktionsbereichen verankerter Standard. Welche Chancen oder auch Risiken ergeben sich daraus für heimische Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion?

Iris Strutzmann: Ich sehe darin vor allem Chancen: Immer mehr Menschen fragen Gentechnik-freie Produkte nach. Der Anteil der biologisch wirtschaftenden Betriebe in Österreich ist mit fast 20 Prozent EU-weit am höchsten. Der Handel setzt seit Jahren auf Gentechnik-freie Produkte wie Milch und Milchprodukte, Eier, Geflügel und andere. Die österreichischen KonsumentInnen wollen keine gentechnisch veränderten Organismen in Lebensmitteln. Dies ist auch einer der Gründe, warum so viele Menschen in Österreich und in der EU nun gegen das geplante EU-Freihandelsabkommen TTIP mit den USA sind. Sie wollen keine Gentechnik durch die Hintertür. 

ARGE Gentechnik-frei: Wie ist die Wahrnehmung der österreichischen KonsumentInnen im Bereich Gentechnik-Freiheit? Ist das „Ohne Gentechnik hergestellt“ Zeichen ausreichend bekannt? Wissen KonsumentInnen was es bedeutet? 

Iris Strutzmann: Das Zeichen „Ohne Gentechnik hergestellt“  ist auf vielen Produkten im Lebensmitteleinzelhandel zu finden. Für  KonsumentInnen, die Wert auf ein umfassendes Regulativ bei einer Gentechnik-freien Produktion legen, ist dieses Zeichen ein wichtiges Gütesiegel und wird sicher wahrgenommen. Es gibt aber leider auch eine große Zahl an anderen Zeichen – die AK spricht vom „Gütezeichendschungel“ – die in Hinblick auf die Auslobung für Verwirrung sorgen können.

ARGE Gentechnik-frei: Welches Marktpotenzial kann eine Gentechnik-freie Lebensmittelproduktion in Europa bekommen? Was muss getan werden, um dieses zu erschließen?  

Iris Strutzmann: Gut ist: Inzwischen darf jeder EU-Staat selbst bestimmen, ob er auf den Anbau von Gentechnik-Pflanzen verzichten will. Auch Österreich nutzt diese Möglichkeit. Aber: Gentechnik-freie Futtermittel sind die Basis für Gentechnik-freie Lebensmittel und hier fehlt eine klare Kennzeichnung der Lebensmittel, die von Tieren stammen, an die Gen-Futter verfüttert wurde. Sie bekommen in Österreich etwa ein Schweineschnitzel und erfahren nicht, ob das Schwein Gen-Futter gefressen hat oder nicht. Hier müsste es unserer Ansicht nach Nachbesserungen auf EU-Ebene geben. Dies würde den KonsumentInnen helfen und eine wirklich Gentechnik-freie Lebensmittelproduktion weiter unterstützen.   

 

Für weitere Informationen zur Arbeit der Arbeiterkammer Wien, Abteilung Umwelt und Verkehr, empfehlen wir die Online-Zeitschrift www.ak-umwelt.at. Besonders legen wir Ihnen den Artikel „Klimawandel auf dem Teller“ als weiterführende Information zu diesem Interview ans Herz.

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