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TTIP: Gentechnik-freie Produktion in Österreich in Gefahr?

Die NÖM hat im Sommer 2005 als erste europäische Molkerei überhaupt komplett auf Gentechnik-freie Produktion umgestellt. Jetzt sieht Alfred Berger, Vorstand der NÖM AG, die Gentechnik-freie Produktion in Österreich durch das Freihandelsabkommen TTIP bedroht.

Im September 2004 besetzten rund 40 Greenpeace-Aktivisten die NÖM-Zentrale in Baden. Ihre Transparente forderten die NÖM dazu auf, bei der Milchviehfütterung auf garantiert Gentechnik-freie Futtermittel zu setzen. „Der Diskurs mit den Umweltschützern hat bei uns einen wichtigen Nachdenkprozess ausgelöst“, erinnert sich Alfred Berger. „Zu dieser Zeit wurde in Österreich sehr intensiv, aber auch sehr emotional zum Thema Gentechnik diskutiert. Wir haben die Chancen, die sich dabei für ein Molkereiunternehmen ergeben können, erkannt und die Weichen in Richtung Umstellung auf kontrolliert Gentechnik-freie Produktion gestellt.“

NÖM: Pionier-Betrieb bei Gentechnik-freier Produktion

Nicht ohne Konflikte, denn in der Branche und in der heimischen Landwirtschaftspolitik stieß der Alleingang der NÖM anfangs auf wenig Zustimmung. Im Juli 2005 war es dann soweit: Als erste große Molkerei hat die NÖM ihre komplette Frischmilchproduktion auf Gentechnik-frei umgestellt. Zu den allerersten Gratulanten zählte übrigens: ... Greenpeace.

Das Beispiel der NÖM hat rasch Schule gemacht: Innerhalb von wenigen Monaten folgten weitere große heimische Molkereien; mit Frühjahr 2010 hatte die komplette österreichische Milchwirtschaft den Umstieg auf Gentechnik-freie Fütterung vollzogen. „Wir sind damit europaweit in einer Spitzenposition“, erklärt Berger. „Die österreichische Milchwirtschaft hat sich mit ihren hohen Qualitätsanforderungen in Österreich und auch in Europa eine sehr gute und nachhaltige Positionierung aufgebaut.“

Mit TTIP droht „Race to the Bottom“ bei der Lebensmittelqualität

Genau diese Rolle als Qualitätsführer sieht Alfred Berger durch das geplante Freihandelsabkommen TTIP (= Transatlantic Trade and Investment Partnership) zwischen Europa und den USA in Gefahr: „Die Öffnung des europäischen Marktes für die agrarischen Großbetriebe aus den USA brächte für unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft, die mit deutlich höheren Strukturkosten kalkulieren muss, massiven Druck – nicht nur auf die Preise, sondern ganz speziell auch auf die hohen Qualitätsstandards und damit auch die Positionierung Österreichs als der ‚Feinkostladen Europas’“. 

So könnten zum Beispiel ausländische Hersteller einklagen, dass sie trotz vollständiger Gentechnik-Freiheit in der österreichischen Milchproduktion ihre Produkte importieren dürften. „Es ist zu befürchten, dass mit TTIP ein bedenkliches ‚Race to the Bottom’ ausgelöst wird, dem die hohen österreichischen und europäischen Qualitätsstandards zum Opfer fallen können“, meint Alfred Berger kritisch.

Auch der Informationsmangel rund um die tatsächlichen Inhalte der aktuell laufenden Verhandlungen stimmt Alfred Berger skeptisch: „Unsere Erwartungen an Offenheit und Transparenz wurden bei den TTIP-Gesprächen bislang in keinster Weise erfüllt. Gesundes Misstrauen ist daher mehr als angeracht. Es darf nicht sein, dass bei Verhandlungen hinter verschlossenen Türen die Qualität unserer Produkte und damit das Wohlergehen unserer Landwirte riskiert wird.“

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